Nach dem Fest

Von Max Herrmann-Neiße

 

Nun ist das Fest gefeiert,
getrunken ist der Wein,
liegt wieder schwarz umschleiert
der Talisman im Schrein.

Erloschen ist das Lachen,
verwelkt der Blumenstrauß,
die stummen Stuben machen
das Haus zum Trauerhaus.

Kein Wunsch ist drin geblieben,
der Gutes mir erbat;
die mich mit Worten lieben,
vergaßen auf die Tat.

Was ich erwartet habe,
hat niemand mir beschert;
es war die schönste Gabe nicht,
was mein Herz begehrt.

Aus den Gefangenschaften
hat niemand mich befreit.
An jeder Wohltat haften
die Flüche dieser Zeit.

Da sich des Festes Schimmer
im Üblichen verlor,
ist alles wieder schlimmer,
als je zuvor.

 

Geschrieben 1936 im Londoner Exil

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