wo du nicht endgültig gehst

Von Christian Geissler

 

wo du nicht endgültig gehst

bist du schon selber das garn

 

wo du wirklich das tust was du weißt

kannst du so elend nie werden

 

dennoch der haken bleibt drin

dennoch den faden abbeißen

 

Aus dem Band „Im Vorfeld einer Schußverletzung. Gedichte von Juli 77 bis März 80“, erschienen im Rotbuch Verlag, Berlin 1980.

Advertisements

Heimatlos

Von Max Herrmann-Neiße

Wir ohne Heimat irren so verloren
und sinnlos durch der Fremde Labyrinth.
Die Eingebornen plaudern vor den Toren
vertraut im abendlichen Sommerwind.
Er macht den Fenstervorhang flüchtig wehen
und läßt uns in die lang entbehrte Ruh
des sichren Friedens einer Stube sehen
und schließt sie vor uns grausam wieder zu.
Die herrenlosen Katzen in den Gassen,
die Bettler, nächtigend im nassen Gras,
sind nicht so ausgestoßen und verlassen
wie jeder, der ein Heimatglück besaß
und hat es ohne seine Schuld verloren
und irrt jetzt durch der Fremde Labyrinth.
Die Eingebornen träumen vor den Toren
und wissen nicht, daß wir ihr Schatten sind.