Geschmacksfreiheit (2010)

Von Wolfgang Müller

 

Suchen Kinder immer nach der Bestätigung ihrer Eltern? Wahrscheinlich ist das so. Als ich beispielsweise 1987 eine Einladung nach Tokio erhielt, da rief ich aus Westberlin stolz meine Mutter in Wolfsburg an: „Stell Dir vor, Mutti, ich wurde nach Tokio eingeladen, zum Konzert!“ Meine Mutter antwortete: „Was? Mit dieser schrecklichen Musik? Du schreist da ja so herum. Und früher hattest Du eine wunderschöne Stimme.“ Hm, dachte ich.
Erst Jahre später fiel mir auf, dass ich die Musik, die meine Mutter hört, ja auch ganz schrecklich finde. Die volkstümliche Musik von Maria und Margot Hellwig, das ist doch scheußlich. Kinder können also den Geschmack ihrer Eltern hassen und sie trotzdem lieben. Und umgekehrt ist es wohl ganz ähnlich.

 

Dieser Text ist dem Band „Aus Liebe zur Kunst“ von Wolfgang Müller entnommen.

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